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Tschernobyl

Liebe Mitglieder der dbg,

am 20. Jahrestag des tragischen Ereignisses von Tschernobyl, darf ich mich an Sie mit diesem Schreiben wenden. Für viele von uns war Tschernobyl der Ausgangspunkt unseres Engagements für und in Belarus.
Die Katastrophe hat uns wachgerüttelt und uns drastisch die Risiken der Atomenergie und den maroden Zustand der spätsowjetischen Wirtschaft vor Augen geführt. Tschernobyl war ein Teil der Untergangsgeschichte der Sowjetunion. Heute und in diesen Tagen sind unsere Gedanken vor allem bei den Opfern der Katastrophe und deren Familien.

Am 5. April 2006 erhielt die dbg einen Brief des Bundesministers für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Siegmar Gabriel. Darin wird der Gesellschaft ausdrücklich für ihr Engagement im Zusammenhang mit Tschernobyl gedankt. In dem Schreiben heißt es "Sie haben vielen Menschen geholfen, Notlagen zu überwinden. Ohne Ihr Engagement wäre diese Gesellschaft kälter. Ich bedanke mich für Ihren besonderen Einsatz." Ich darf Ihnen, sehr geehrte Mitglieder der dbg, diesen Dank übermitteln. Viele von uns sind seit Jahren ehrenamtlich in der Tschernobyl-Hilfe tätig.

Als Gesellschaft haben wir das Thema Tschernobyl seit Jahren im öffentlichen Bewusstsein gehalten. Auf dem letzten Minsk Forum haben wir Tschernobyl und der künftigen Energiepolitik ein ganzes Panel gewidmet.
Jahrelang haben wir die krebskranke Olga in Minsk zu unterstützen versucht; sie hat den Kampf gegen die Krankheit leider verloren. Zuletzt blieb uns nur noch die Möglichkeit, die Familie bei der Beerdigung zu unterstützen. Schicksale wie dieses gab es tausendfach. Die gefährliche Strahlung wird noch mehr als 300 Jahre große Teile von Belarus belasten.
Mit anderen Worten - das Drama Tschernobyl geht weiter. Wir werden weiterhin Belarus und die Ukraine bei der Minderung der Folgen unterstützen. Ich darf Ihnen bei dieser Gelegenheit das neueste Heft der Zeitschrift Osteuropa: "Tschernobyl. Vermächtnis und Verpflichtung" empfehlen, das unser Vorstandsmitglied Dr. Astrid Sahm mitherausgegeben hat. Das Heft ist über osteuropa@dgo-online.org zu beziehen. Im Deutschen Bundestag fand gestern eine Veranstaltung bei der SPD-Bundestagsfraktion "Tschernobyl mahnt - 20 Jahre nach der Katastrophe" statt, die den deutschen Tschernobyl-Initiativen ein Forum der Diskussion bietet. Die dbg ist ebenfalls dazu eingeladen worden.

In diesen Tagen sind wir aber auch in Sorge um das politische Belarus.  Gestern hat der traditionelle Tschernobyl-Marsch stattgefunden.  Zahlreiche Demonstranten der kleinen März-Revolution sind noch im Gefängnis, ihnen wird das Recht auf Anwälte verwehrt, das Besuchsrecht ist eingeschränkt, die Haftbedingungen katastrophal. Jetzt geht es darum aktive Unterstützung etwa für exmatrikullierte Studierende zu leisten.  Entsprechende Programme sind auch unter Beteiligung der dbg angelaufen.

Im Namen des Vorstands möchte ich Ihnen allen für die Unterstützung der dbg und ihrer Themen danken.

Mit freundlichen Grüßen

Rainer Lindner
Vorsitzender der dbg

30. April 2006 in Projekte

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