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Spendenaktion nach Urteil gegen belarussischen Verleger Ihar Lohvinau

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Liebe Mitglieder, Förderer und Freunde der dbg!

Ohne den unabhängigen Buchverlag Lohvinau würde der Kultur in Belarus ein wesentliches Standbein fehlen. Seit 2000 hat sich Ihar Lohvinau mit seinem Verlag als Wegbereiter und Förderer einer jungen unabhängigen, kritischen und quicklebendigen Literatur eingesetzt. Autoren wie Artur Klinau, Alhierd Bacharewitsch, Ihar Babkou oder Andrei Chadanowitsch, die auch gern gesehene Gäste bei Literaturveranstaltungen in Deutschland sind, konnten sich dank Lohvinau einen festen Platz in der zeitgenössischen belarussischsprachigen Kultur erobern. Lohvinaus Literatur ist geprägt von einem aufklärerischen, freien Geist, dessen Entfaltung von politischer Seite leider immer wieder behindert und bekämpft wird.

Nun steht der Verlag vor dem finanziellen Ruin. Am 3. Dezember 2014 hatten Steuerfahnder die Räumlichkeiten der Buchhandlung von Lohvinau versiegelt. Lohvinau selbst sprach zunächst von einer "routinemäßigen Überprüfung". Bald darauf erhielt er eine Gerichtsvorladung. Ihm wurde vorgeworfen, Bücher ohne Lizenz verkauft zu haben. Seit 2014 müssen Buchhändler laut eines neuen Präsidialerlasses über eine Lizenz verfügen, die beim Ministerium für Information beantragt werden muss. "Wir haben 2014 sechs Mal versucht, diese Lizenz zu bekommen", erklärt Lohvinau. "Immer wieder wurden die Anträge abgelehnt, weil wir angeblich eine falsche Adresse oder Postleitzahl benutzt hätten. Wir haben die Fehler korrigiert und den Antrag von einem Anwalt überprüfen lassen. Dennoch wurde uns die Lizenz nicht erteilt." Sjarhej Kupalouskij, Richter des Minsker Wirtschaftsgerichtes, interessierte die absurden Ablehnungsschreiben nicht und befand Lohvinau am 9. Januar 2015 für schuldig. Die Berufung wurde am 10. Februar 2015 abgewiesen. Die Strafe: rund 58.000 Euro.

Bereits 2013 war Lohvinau per Gericht die Verlagslizenz entzogen worden, weil er im Jahr 2012 den Fotoband "Belarus Press-Foto 2011" des gleichnamigen Fotojournalisten-Wettbewerbs veröffentlicht hatte. Dieser wiederum war zuvor von einem Gericht als "extremistisch" eingestuft worden. Der Fall entfachte eine internationale Solidaritätswelle für Lohvinau, der seinen Verlag schließlich nach Vilnius verlegte. Das aktuelle Urteil betrifft Lohvinaus gleichnamigen Minsker Buchladen, der sich in den Räumen der "Galereja Y", einer privaten Galerie für zeitgenössische Kunst, befindet. Diejenige unter Ihnen, die bereits in Minsk waren, werden Galerie und Buchhandlung sicher kennen. Der kleine Laden hatte sich in den vergangenen sieben Jahren zum Treffpunkt für die intellektuelle Szene des Landes und zum Anlaufpunkt für Liebhaber der belarussischen Litertatur entwickelt.

Der Vorstand der dbg hältt das Urteil gegen den Buchverlag Lohvinau für falsch. Lohvinaus Arbeit trägt zu einem bunteren und stärkeren Belarus bei. Ein solches Urteil gegen einen Vertreter der unabhängigen Kultur ist das falsche Signal, wenn die politische Führung des Landes bestrebt sein will, Dialogbemühungen mit der EU wiederzubeleben. Belarus sollte stolz auf Leute wie Ihar Lohvinau sein, die bemüht sind, die Kultur ihrer Heimat, eine adäquate Plattform zu geben und diese in der EU und im Westen bekannter zu machen.

Freunde des Verlages haben für Lohvinau eine Spendenaktion ins Leben gerufen, mit der Geld für die überaus hohe Strafe gesammelt werden soll.

Wir möchten Sie, liebe Mitglieder und Freunde der dbg, bitten, sich an der Spendenaktion zu beteiligen, damit Ihar Lohvinau seine wichtige Arbeit auch in Zukunft fortführen kann.

Alle Informationen zu der Spendenaktion finden Sie auf dieser Seite: http://savelohvinau.club/

Mit freundlichen Grüßen
der Vorstand der deutsch-belarussischen gesellschaft (dbg) e.V.

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25. Februar 2015 in Politik und Gesellschaft

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