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Rettet die belarussischen Moore


Text und Bilder: Annett Thiele
Auszug aus der aktuellen Ausgabe des eMail-Newsletters des Büros für Anti-Propaganda 


Belarus ist das Land der Moore. Noch in der Mitte des letzten Jahrhunderts bedeckten Moore 14.2% der Landesfläche. Ein Teil dieser Moore befindet sich in der berühmten Palessie. Das Leben in dieser feuchten Gegend, in der man seine Nachbarn nur mit dem Boot besuchen konnte, verewigte der Schriftsteller Ivan Mielež in seiner Chronik Ludzi na Balocie (Menschen im Sumpf). Die wunderbaren Hochmoore in der Paazerie, dem Land der tausend Seen, sind noch heute beliebte Sammelgebiete für Beeren.

In Belarus sind bisher 30% der Moore unangetastet geblieben (siehe Bild 1 und Bild 2). Im Vergleich: Deutschland besaß früher einen Mooranteil von 4.2%, von denen heute aber nur noch 0.2% geblieben sind - der Rest wurde zur Ernährung der Bevölkerung, zum Bau von Städten oder zur Forstwirtschaft entwässert.

Moore sind nicht nur schön anzuschauen, sondern sie beherbergen weltweit bedrohte Vogelarten, wie den Seggenrohrsänger, den Schelladler und so wichtige Pflanzenarten wie die Moosbeere. Die Moosbeere ist für viele Menschen auf dem Lande eine wichtige Nebeneinkunft und wird auch die Kiwi des Ostens genannt, denn sie ist eine wichtige Vitamin-C-Quelle.

Um dies alles zu erhalten setzen sich Nichtregierungsorganisationen wie der Vogelschutzbund Belarus (Akhova Ptushak Batskaushchyny) und Bezbolot.net für den Schutz und die Renaturierung der Moore in Belarus ein. Denn Moore sind nicht nur für die Artenvielfalt wichtig, sondern sie speichern Wasser für trockene Zeiten, sie filtern Wasser und regulieren das Klima. Durch die Verdunstung von Wasser, die in den Mooren geschieht, wird die Luft gekühlt und bleibt feucht.

Darüber hinaus spielen Moore noch eine weitere wichtige Rolle für das Klima: wenn sie natürlich sind speichern sie langfristig Kohlenstoff in ihrem Boden, dem Torf. Wird dieses Moor entwässert, wird dieser Kohlenstoff frei und trägt zum Klimawandel bei. Diesen menschengemachten Klimawandel wollen wir aufhalten und das kann man unter Anderem erreichen, wenn man die entwässerten Moore wiedervernässt.

Um zu verstehen, in welchem Ausmaße solche Aktivitäten positiv für das Klima sind, hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit im Rahmen seiner Internationalen Klimaschutzinitiative Belarus dabei unterstützt, ein Projekt in die Wege zu leiten, bei dem genau diese Frage erforscht und an praktischen Beispielen erprobt wird.

Dafür wurde eine Forschergruppe von jungen belarussischen und deutschen Wissenschaftlern aufgebaut, die ein umfangreiches Forschungsprogramm aufstellte, und dafür zunächst in drei belarussischen Mooren  im Sommer wie im Winter den Austoß von Treibhausgasen ermittelte. Die Erforschung dieser Treibhausgasemissionen hilft zu verstehen, wie viele Treibhausgase wir einsparen, wenn wir Moore renaturieren, ihrem ursprünglichen Zustand wieder näher bringen, und die erneute Speicherung von Kohlenstoff im Boden ermöglichen. Belarus eignet sich ganz besonders gut für diese Forschungen, denn die Vielfalt der Moore ist groß. Die Ergebnisse der Forschung kann über die Landesgrenzen hinaus angewandt werden, beispielsweise in der Ukraine, in Russland und Polen.

Obwohl Belarus ein Vorreiter im Moorschutz ist, wird derzeit innerhalb des Landes und in Europa rege diskutiert: Aufgrund des Mangels an eigenen Energieressourcen, wie Gas oder Öl, ist das Land dauerhaft abhängig von Importen, die in Zeiten schwacher Ökonomie dem Staat große Einschnitte in den Haushalt abverlangen. Deshalb versucht der Staat auf eigene natürliche Ressourcen zur Energieerzeugung zurück zu greifen. Diese können Biomasse, Wasserkraft und eben auch Torf sein. Im letzten Jahr entschied das Ministerium für Wirtschaft, dass das eigene Ressourcenaufkommen mit Hilfe von Torf verbessert werden kann.

Bei einem Blick in den Erlass wurde vielen Naturschützern Angst und Bange, denn um diesen Erlass umzusetzen, müssen Naturschutzgebiete und sogar Nationalparke (Zapovedniki) Flächen zur Nutzung abgeben. Da das belarussische Ministerium für Naturressourcen aber um den Wert dieser Moore weiß, wurden im letzten Jahr zahlreiche Pressekonferenzen gegeben, Publikationen und Interviews veröffentlicht, in denen sich offizielle Staatsbedienstete ausdrücklich gegen diese Pläne ausgesprochen haben.

Doch auch unter den einfachen Leuten in Belarus bewegt sich etwas: Es wurde eine Nichtregierungsorganisation (NRO) gegründet, die sich bezbolot.net ("Ohne Moore.nein") nennt, und ihre Internetseite ebenso bezeichnete. Diese NRO setzt sich aktiv dafür ein, dass mehr Menschen darüber informiert werden, was mit den letzten unberührten Mooren im Land geplant ist. Sie führt Interviews mit lokal Ansässigen und sorgt vor allem für öffentliche Aufmerksamkeit.

Selbst die Macht des Internets ziehen sie zu Rate. Jüngst wurde eine Petition unter openpetition.org ins Leben gerufen, wo alle Interessierten aufgerufen sind sich zu beteiligen indem sie unterschreiben. Sobald 100.000 Unterschriften gesammelt wurden, werden diese offiziell an den Staat übergeben um zu zeigen wie wichtig den Belarussen ihre wunderschönen Naturlandschaften sind.

Bitte unterzeichnen Sie die Petition hier!

Bild 1 und Bild 2: Jelnia, das größte natürliche Moor in der Paazerie, im Norden von Belarus



Bild 3: Dakudauskaje, ein heute noch abgetorfter Teil eines Moores bei Lida, hier werden große Mengen Treibhausgase emittiert



Bild 4: Dakudauskaje, ein wiedervernässtes ehemalig abgetorftes Moor bei Lida, hier wird wieder Torf gebildet

 

22. April 2013

Kommentare

Mam muss die Natur endlich

22. April 2013 von Anonym (nicht überprüft), vor 4 Jahre 39 Wochen
Kommentar ID:151

Mam muss die Natur endlich in Ruhe lassen!!!

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