3. März 1890: Lavon Zajac – ein belarusischer Diplomat und Brückenbauer zwischen Belarus und Deutschland
Am 3. März 1890 wurde Lavon Zajac (belarusisch: Лявон Заяц, in Quellen auch als Leonard Zayats/Zaiatz transkribiert) geboren – ein belarusischer Politiker, Diplomat, Publizist und Memoirenschreiber, dessen Lebenswerk eng mit den frühen Stationen der belarusischen Staatlichkeit und mit Deutschland verbunden ist. An seinem Geburtstag erinnern wir an einen der prägenden Akteure der Weißruthenischen Volksrepublik (BNR) und an die Rolle Berlins als wichtigen Ort der belarusischen Exilpolitik.
Zajac erhielt seine Ausbildung in St. Petersburg, engagierte sich früh in der belarusischen Studentenbewegung und setzte sich schon vor dem Ersten Weltkrieg für belarusische Kultur und Identität ein. In den Wirren von 1917 gehörte er zu den Delegierten des Allbelarusischen Kongresses in Minsk, war Mitglied des Exekutivkomitees und übernahm zentrale Positionen im Volkssekretariat der neu gegründeten ersten belarusischen Republik – unter anderem als Leiter der Kanzlei, als Volkssekretär für Justiz und später als Staatskontrolleur.

Berlin 1919–1921: Diplomatie und Pressearbeit
Für die deutsch-belarusischen Beziehungen ist besonders die politische Tätigkeit in Berlin hervorzuheben. Nach dem Vormarsch der Bolschewiki war Berlin zwischen 1919 und 1921 ein zentraler politischer Raum für die belarusische Exilbewegung. Lavon Zajac leitete die Diplomatische Mission der BNR in Deutschland und versuchte, die belarusische Sache inmitten der komplexen europäischen Nachkriegsordnung sichtbar zu machen.

Im Oktober 1920 nahm Zajac eine weitere bedeutsame Aufgabe in Berlin wahr: Nach über einem halben Jahr Unterbrechung wurde die Tätigkeit des Belarusischen Presse-Büros wieder aufgenommen, dessen Leitung zeitweise Zajac übertragen wurde. Dieses Presse-Büro begann erneut mit der Herausgabe von Informationsbulletins in Koordination mit belarusischen Missionen in den baltischen Staaten. Die Bulletins des Berliner Presse-Büros der BNR waren für die deutsche Öffentlichkeit, für die Presse und für staatliche Institutionen eine wichtige und kompetente Informationsquelle über die politische Lage in Belarus und über das Ringen um Unabhängigkeit. In einer Zeit, in der viele europäische Entscheidungsträger nur wenig Kenntnis über die belarusischen Bestrebungen hatten, trugen diese Publikationen wesentlich zur Sichtbarkeit der belarusischen politischen Bewegung bei.

Weitere Stationen und Rückkehr in die Sowjetunion
Zajac blieb auch nach dem Ende seiner Tätigkeit in Berlin politisch aktiv. Er war Teilnehmer der internationalen belarusischen Konferenzen und trat für die Anerkennung eines unabhängigen, unteilbaren Belarus ein. Zwischen 1921 und 1923 gehörte er verschiedenen Exilregierungen und Gremien der BNR in Prag und Kaunas an und arbeitete weiterhin als Publizist.
1926 entschied sich Zajac zur Rückkehr nach Minsk, damals unter sowjetischer Kontrolle und Hauptstadt der Belarusischen Sozialistischen Sowjetrepublik, in der Hoffnung, unter veränderten politischen Bedingungen in der Sowjetunion weiter für sein Heimatland wirken zu können. Diese Hoffnung wurde tragisch enttäuscht: Er geriet in die stalinistischen Säuberungen der frühen 1930er Jahre, wurde im Zuge einer konstruierten Affäre verhaftet, verurteilt und nach Ufa in Russland verbannt. Am 23. September 1935 starb Lavon Zajac im Gefängnis. Erst 1988 wurde er posthum rehabilitiert.
Am Geburtstag von Lavon Zajac erinnern wir an einen Mann, der nicht nur die belarusische Unabhängigkeitsbewegung prägte, sondern auch die frühen Verbindungen zwischen Belarus und Deutschland mitgestaltete – trotz der politischen Turbulenzen, trotz des Exils und trotz der Repressionen, denen er zum Opfer fiel.