Tadeusz Kościuszko (Tadevuš Kaściuška) – eine gemeinsame Figur der belarusischen und polnischen Geschichte

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In der heutigen belarusischen Gesellschaft genießt Kościuszko hohe Anerkennung

Am 4. (nach anderen Quellen am 12.) Februar 1746 wurde im Kreis Slonim, im heutigen westlichen Belarus, Tadeusz Kościuszko (belarusisch: Тадэвуш Касцюшка, Tadevuš Kaściuška) geboren. Er war ein politischer und militärischer Führer der Adelsrepublik Polen-Litauen, Anführer des Aufstands von 1794 gegen die russische Vorherrschaft, Offizier im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg – und ist bis heute Nationalheld von Belarus, Polen und den Vereinigten Staaten.

Kościuszko wurde in eine aus dem westlichen Belarus stammende Adelsfamilie geboren. Seine Vorfahren gehörten sowohl der katholischen als auch der orthodoxen Tradition an – ein Umstand, der für die kulturelle Realität der belarusischen Gebiete im 18. Jahrhundert typisch war. Er erhielt seine Ausbildung im Kadettenkorps in Warschau und setzte sein Studium ab 1769 in Frankreich fort.

Nach seiner Rückkehr schloss sich Kościuszko 1776 in Nordamerika der Kontinentalarmee im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg an. Als hochqualifizierter Militäringenieur war er maßgeblich an der Planung moderner Befestigungen beteiligt, darunter auch an den Anlagen von West Point im heutigen Bundesstaat New York. 1783 wurde er vom Kontinentalkongress zum Brigadegeneral ernannt.

1784 kehrte Kościuszko nach Europa zurück und trat wenige Jahre später als Generalmajor in die Armee der Republik Polen-Litauen ein. Im März 1794, nach der zweiten Teilung des Staates durch Russland und Preußen, rief er den bewaffneten Aufstand gegen die russische Besatzung und die preußische Intervention aus. Die Niederlage des Aufstands und seine Gefangennahme bei Maciejowice führten 1795 zur dritten und endgültigen Teilung der Adelsrepublik zwischen Russland, Preußen und Österreich.

Nach dem Tod Katharinas II. wurde Kościuszko 1796 von Zar Paul I. begnadigt. Er hielt sich nochmals in den USA auf und zog sich später in die Schweiz zurück, wo er 1817 starb.

Kościuszko steht symbolisch für die enge historische Verflechtung von Belarus und Polen. Eine vergleichbare Rolle spielt in der Kulturgeschichte Adam Mickiewicz, der ebenfalls aus den belarusischen Gebieten stammte, aber als polnischer Nationaldichter gilt. Beide Figuren verkörpern eine gemeinsame politische und kulturelle Vergangenheit, die sich nicht entlang heutiger Staatsgrenzen erklären lässt.

In der heutigen belarusischen Gesellschaft genießt Kościuszko hohe Anerkennung. Seine belarusischen Wurzeln werden bewusst betont. Das Familienanwesen Kościuszkos in Mieračoŭščyna wurde vom belarusischen Staat restauriert und beherbergt heute ein Museum. Auch die belarusische Diaspora in der Schweiz hat ihm ein Denkmal gesetzt.

Eine besondere symbolische Bedeutung erhält Kościuszko zudem durch den Blick auf den Kalender: Die Geburtstage zweier zentraler Figuren der belarusischen Freiheitsgeschichte liegen nur wenige Tage auseinander. Anfang Februar wird an Tadeusz Kościuszko, kurz davor an Kastuś Kalinoŭski erinnert.

Diese zeitliche Nähe ist kein historischer Zusammenhang im engeren Sinne – sie wirkt jedoch wie ein stilles Symbol für die Kontinuität des belarusischen Freiheitsgedankens: von den republikanischen Idealen des späten 18. Jahrhunderts bis zu den demokratischen und sozialen Forderungen des 19. Jahrhunderts.