Arkadź Smolič – Diplomat, Wissenschaftler und früher Akteur der deutsch-belarusischen Beziehungen

Belarus

Als Leiter der diplomatischen Vertretung der Weißruthenischen Volksrepublik in Deutschland gehörte er zu den ersten belarusischen Politikern, die in Berlin aktiv für die Eigenstaatlichkeit ihres Landes eintraten.

Am 29. September 1891 wurde Arkadź Smolič geboren – ein belarusischer Geograf, Ökonom, Agrarwissenschaftler und Politiker, der zu den frühen Akteuren der deutsch-belarusischen Beziehungen gehörte. Als Vertreter der Weißruthenischen Volksrepublik (BNR) bemühte er sich nach dem Ersten Weltkrieg um politische Kontakte zu Deutschland und anderen europäischen Staaten. Zugleich gehörte er zu den prägenden Vertretern der belarusischen Nationalbewegung und zu den Mitbegründern der modernen belarusischen Wissenschaft.

1918 gehörte Smolič zu den Politikern, die die Unabhängigkeit von Belarus vorantrieben. In ihrer Regierung war er zunächst für das Bildungswesen, später für die Landwirtschaft zuständig. Im Auftrag der Weißruthenischen Volksrepublik reiste er nach Kyjiw, Warschau und Berlin, um internationale Unterstützung für die belarusische Unabhängigkeit zu gewinnen.

Im März 1919 kam Smolič nach Berlin. Über Wien, Salzburg und München erreichte er die deutsche Hauptstadt, wo er die diplomatische Mission der BNR aufbaute. Am 21. März 1919 wurde er zum Gesandten der BNR in Berlin ernannt. Die Mission sollte politische Kontakte knüpfen und Unterstützung für die internationale Anerkennung der belarusischen Staatlichkeit gewinnen. Deutschland erkannte die BNR zwar nicht offiziell an, erlaubte ihrer Vertretung jedoch, in Berlin tätig zu sein. Smolič gehörte damit zu den ersten belarusischen Politikern, die in Berlin aktiv für die Eigenstaatlichkeit ihres Landes eintraten.

Smolič war zugleich einer der bedeutenden belarusischen Wissenschaftler seiner Generation. Sein 1919 erschienenes Werk „Hieohrafija Biełarusi“ („Географія Беларусі“) war eine umfassende Darstellung des Landes, seiner Bevölkerung, Natur und Wirtschaft. Nach seiner Rückkehr nach Minsk im Jahr 1922 arbeitete er am Aufbau der belarusischen Wissenschaft und Hochschulbildung und lehrte an der Belarussischen Staatlichen Universität. 1927 wurde er Professor für Geografie.

Doch die sowjetische Herrschaft zerstörte diese Entwicklung. 1930 wurde Smolič im Rahmen des konstruierten Verfahrens gegen den angeblichen „Bund zur Befreiung von Belarus“ verhaftet und in die Verbannung geschickt. Nach seiner Rückkehr wurde er erneut verfolgt. Im Juni 1937 wurde er wieder verhaftet. Am 17. Juni 1938 wurde Smolič in einem Gefängnis in Omsk erschossen. Er war 46 Jahre alt.

Das Regime, das Belarus seiner politischen Eigenständigkeit beraubt hatte, vernichtete damit auch einen seiner Wissenschaftler und ehemaligen Vertreter der belarusischen Staatlichkeit. Sein Tod wurde jahrzehntelang verschleiert; seiner Familie wurden falsche Angaben über sein Schicksal gemacht. Erst später wurde Smolič rehabilitiert. Sein Grab ist unbekannt.

Arkadź Smolič steht damit für eine Generation, die Belarus als eigenständigen europäischen Staat und als eigenständigen Gegenstand von Wissenschaft und Kultur etablieren wollte. Seine Tätigkeit in Berlin gehört zu den frühen konkreten Kapiteln der deutsch-belarusischen Beziehungen. Sein späteres Schicksal zeigt zugleich, wie brutal die sowjetische Herrschaft diese politische und intellektuelle Tradition in Belarus zerschlug.