Warschauer Konferenz des XXIII. Minsk Forum

@johnny_cosmic
Minsk Forum XXIII

Das XXIII. Minsk Forum in Warschau brachte Vertreter aus Politik, Zivilgesellschaft, Medien und Wissenschaft zusammen. Zwei Tage lang ging es um das Vermächtnis von Aliaksandr Milinkievič, die regionale Rolle Belarus’, die Zukunft der demokratischen Kräfte im Exil und die rechtliche Situation der Belarusen im Ausland.

Am 22. und 23. September 2026 fand in Warschau die diesjährige Konferenz des XXIII. Minsk Forum statt. Vertreter aus Politik, Zivilgesellschaft, Medien und Wissenschaft diskutierten über die aktuelle Situation in Belarus, die regionale Rolle des Landes sowie die Zukunft der belarusischen demokratischen Kräfte.

Das Minsk Forum wird seit 1997 von der deutsch-belarusischen gesellschaft (dbg e. V.) organisiert. In diesem Jahr wurde die Konferenz vom Auswärtigen Amt, dem German Marshall Fund of the United States (GMF) und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit unterstützt.

Erinnerung an Aliaksandr Milinkievič

Der erste Konferenztag war dem Andenken an Aliaksandr Milinkievič gewidmet. Nach der Eröffnung durch Aleś Čajčyc, Vorstandsmitglied der deutsch-belarusischen gesellschaft, und Cornelius Ochmann von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit hielt Ina Kulej von der Free Belarus University die Keynote.

Im anschließenden offenen Gespräch „Aliaksandr Milinkievič: Sein Vermächtnis“ ging es um die Frage, welche Bedeutung seine politischen und gesellschaftlichen Ideen für die heutige Situation in und um Belarus haben können. Aleś Łahviniec, Programmdirektor der Free Belarus University, und die Medienexpertin und Redaktionsstrategin Iryna Charniauka erinnerten an verschiedene Stationen seines politischen und gesellschaftlichen Wirkens.

Der zweite Teil des Tages war der Vorstellung des „Belarusischen Jahrbuchs 2026“ gewidmet. Unter der Moderation von Andrei Laurukhin diskutierten Mikhail Doroshevich vom unabhängigen Thinktank „Belarus Brief“, Aliaksandr Fiaduta von der Jagiellonen-Universität, der politische Beobachter Valery Karbalevich, Dzmitry Kukhlei vom Institute for Development and Social Market in Belarus and Eastern Europe sowie Anastasiya Luzgina vom Economic Research Center BEROC über das neue Jahrbuch und die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Belarus’ unter den Bedingungen des Autoritarismus.

Damit verband der erste Tag Erinnerung und aktuelle Analyse: die Auseinandersetzung mit dem politischen Erbe eines bedeutenden Vertreters der belarusischen demokratischen Bewegung mit einer breiteren Diskussion über die Gegenwart des Landes.

Belarus im regionalen Kontext

Der zweite Konferenztag begann mit der Eröffnung durch Aleś Čajčyc sowie einer Keynote von Pavel Latushka, dem stellvertretenden Leiter des Vereinigten Übergangskabinetts von Belarus und Leiter des Nationalen Antikrisenmanagements. Die Gesamtmoderation des Konferenztages übernahm Maryia Sadouskaya-Komlach von Free Press Unlimited.

Die erste große Diskussion widmete sich dem „Lubliner Dreieck“ und seiner Bedeutung für ein demokratisches Belarus. Pavel Latushka, Kamil Kłysiński vom Centre for Eastern Studies (OSW) und Marharyta Vorykhava, Leiterin des Internationalen Ausschusses des Koordinationsrates und Beraterin im Büro von Sviatlana Tsikhanouskaya, diskutierten die regionale Dimension der belarusischen Frage und die Beziehungen zu Polen, der Ukraine und Litauen.

Im Mittelpunkt der zweiten Session standen die belarusischen demokratischen Kräfte und ihre Strukturen im Exil. Unter dem Titel „Wege in die Zukunft – die Rolle europäischer Unterstützer und Staaten“ diskutierten Artsiom Brukhan, Sprecher des Koordinationsrates, Kseniya Martul aus dem Vereinigten Übergangskabinett sowie Julia Mickiewicz, ebenfalls aus dem Vereinigten Übergangskabinett. Die offene Diskussion widmete sich der Frage, wie demokratische Strukturen im Exil weiterentwickelt werden können und welche Rolle europäische Partner dabei spielen.

Am Nachmittag ging es um eine sehr konkrete Frage, die viele Belarussen unmittelbar betrifft: Rechtsdokumente der belarusischen Diaspora und der rechtliche Status von Belarusen in den Aufnahmeländern. In Gruppenarbeit und einer offenen Diskussion wurden unterschiedliche praktische und rechtliche Aspekte behandelt. Zu den Gesprächspartnern gehörten Vladzimir Astapenka, Leiter der Mission des demokratischen Belarus in Brüssel, Vitaly Malchanau vom Office Sviatlana Tsikhanouskaya, Anais Marin von Partyzanka sowie Alexandra Mamaeva vom Koordinationsrat der belarusischen Demokratischen Kräfte.

Den Abschluss bildete eine Zusammenfassung der Diskussionen mit offener moderierter Debatte über die Themen des gesamten Forums.

Ein Raum für unterschiedliche Positionen

Das Minsk Forum versteht sich seit seiner Gründung als unabhängige und offene Plattform für den Austausch unterschiedlicher Positionen. Gerade angesichts der politischen und gesellschaftlichen Vielfalt innerhalb der belarusischen demokratischen Bewegung ist dieser Ansatz von Bedeutung.

Die Warschauer Konferenz hat dabei unterschiedliche Ebenen miteinander verbunden: die Erinnerung an die politische Geschichte der demokratischen Bewegung, die Analyse der aktuellen Situation, die regionale Dimension der belarusischen Frage und sehr konkrete Fragen des politischen und rechtlichen Status der Belarusinnen und Belarusen im Ausland.

Das Minsk Forum geht weiter

Die Warschauer Konferenz war die erste von drei Veranstaltungen des diesjährigen Minsk Forum. Die nächsten Treffen finden in Brüssel und Berlin statt.

Die deutsch-belarusische gesellschaft wird diesen Prozess weiterhin unterstützen und das Minsk Forum als offene Plattform für den Austausch über die Zukunft eines demokratischen Belarus begleiten.

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